Tag 12

So zu beten, wie Jesus gebetet hat, bedeutet: unsere eigenen Wünsche, unseren
eigenen Willen Gott abzugeben. Aus der Hand zu geben und loszulassen. Und das fällt
uns Menschen unheimlich schwer. Etwas loszulassen, kann sehr schmerzhaft sein.
Alle Eltern können nachfühlen, was es bedeutet, seine Kinder loszulassen, damit sie
ihre eigenen Wege gehen – das kann uns das Herz brechen. Gott hat seine Schöpfung
losgelassen, er gab ihr einen eigenen freien Willen. Es ist nicht alles nur Zufall oder
Schicksal. Und deswegen ist Beten so wichtig, nicht weil immer sofort unsere Wün-
sche in Erfüllung gehen, sondern weil es uns mit Gott in Verbindung bringt. Und mit
den Menschen, für die wir beten. Beten verändert Situationen und Menschen, aber
beten verändert immer auch uns selbst.
Warum manche Gebete erhört werden und manche nicht? Wir wissen es nicht.
Aber wir möchten nicht aufhören, für das Leid und Elend in dieser Welt zu beten.
Wir möchten dafür beten, dass Gottes Wille geschehe – wie im Himmel, so auch auf
Erden. Weil Gottes Wille gut ist.
Wir möchten Sie dazu einladen, durch ein Gebet, das Sie sicherlich kennen, mit Gott
in Verbindung zu treten. Geben Sie ihm die Chance, Ihr Herz von den Enttäuschun-
gen über Ihre unerfüllten Wünsche zu heilen. Sie werden vermutlich noch oft an den
Punkt kommen, an dem Sie Gottes Handeln nicht verstehen werden. Ganz ehrlich:
Das tun wir alle. Lassen Sie uns trotzdem gemeinsam mit unseren Bitten zu Gott kommen und
gleichzeitig sagen: »Ich vertraue dir, dein Wille geschehe!«

König, Oskar. 24 x Weihnachten neu erleben (German Edition) (S.88-89). SCM R.Brockhaus. Kindle-Version.